Peter Weiss:
„Die Ermittlung“

Nach 20 Jahren erstmals wieder in Wien zeigte das WORT_ensemble eine Neuinszenierung des wichtigsten Dramas der Nachkriegsliteratur.

Regisseur Michael Schefts greift bei der Inszenierung von Peter Weiss „Die Ermittlung“ den Untertitel des Werkes auf: „Oratorium in 11 Gesängen“. So agierte das Ensemble immer wieder im Sprech-Chor. Unterstützt wurde es dabei durch die Musik von Stefan Wolf.

Darüber hinaus stellte jeder Schauspieler verschiedene Rollen dar. Dadurch wird eindringlich die „Auswechselbarkeit“ des Menschen in totalitär-diktatorischen Systemen vor Augen geführt. Die Darsteller werden dabei nicht in Rollenklischees gedrängt und die persönliche, direkte Interpretation tritt in den Vordergrund.

Durch diese Darstellung zeigen wir einen neuen Zugang zu den Themen der historischen Aufarbeitung aber auch der persönlichen Verantwortung, einer persönlichen Entscheidung, die auch heute noch immer wieder getroffen werden muss.

In einer Zeit, in der wir durch unzählige Dokumentationen das reale Bild dieses Schreckens zu kennen glauben, ist es umso wichtiger, einen neuen künstlerischen Ausdruck dafür zu finden.

Ein Blick auf das Tagesgeschehen zeigt uns auch die absolute Aktualität dieses Stückes. Durch die musikalische Interpretation und das intensive Sezieren und Ausloten der Sprache wird die Aktualität von Peter Weiss Text für das Publikum wieder erfahrbar gemacht.

„Uns wurde das Denken abgenommen. Das taten die Anderen für uns.“

Prominente Unterstützung

Für die WORT_ensemble Produktion „Die Ermittlung“ konnten wir Günter Tolar gewinnen, der uns bei der Realisierung tatkräftig unterstützte. Hier sein Statement dazu:

Warum ich mitmache

WORT_ensemble 2012: Peter Weiss "Die Ermittlung"

Günter Tolar unterstützt das WORT_ensemble Projekt „Die Ermittlung“ | cc-by 2005 Foto: Kurt Patzak

„Die Ermittlung“ ist ein wesentliches Stück von Peter Weiss, das eine gnadenlose Abrechung mit der NS-Zeit und ihren Tätern bringt – und seit 20 Jahren nicht mehr in Wien gespielt wurde.

Das Anliegen des WORT_ensembles liegt mir am Herzen, und zwar nicht nur, weil das Thema eine Verpflichtung ist, sondern auch aus persönlichen Gründen. Meine Mutter war eine „rassisch Verfolgte“, sie hat ihr Leben lang unter den Demütigungen gelitten.

Das WORT_ensemble will den historischen Brückenschlag schaffen aus einer Vergangenheit, die noch immer nicht beendet ist, sondern in der Gegenwart sich neu zu etablieren begonnen hat. Es ist, unter anderen, eine Aufgabe des Theaters, politisch brisante Themen aufzugreifen und immer wieder dafür zu sorgen, dass Unbewältigtes nicht totgeschwiegen wird, sondern durch andauerndes Erinnern weiterhin im Zustand der Verarbeitung bleibt.

Es ist mir aber auch ein Anliegen, ein Ensemble zu unterstützen, das sich der heute nicht ganz leichten Mühe unterzieht, Theater zu machen, das sich nicht auf dem Trampelpfad des Mainstreams bewegen will.“ – Günter Tolar

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